EINE SYMPHONIE FÜR ORGEL, KLAVIER UND JUNGE STERNE
Ein funkensprühendes Klavier und ein lebendiges, farbenreiches Orchester treffen im Golde-nen Saal des Wiener Musikvereins auf den mächtigen Klang der Rieger-Orgel. Aus dieser Begegnung entsteht „Camille Saint-Saëns – Complete Concertos Vol. 4“, das vierte Album der New-Talents-Edition, das am 30. Oktober 2026 bei Berlin Classics erscheint. Im Mittel-punkt stehen – ganz im Geist der Albumreihe – zwei junge Solisten: der österreichische Orga-nist Lukas Hasler und der israelische Pianist Ariel Lanyi. Gemeinsam mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der erfahrenen Leitung von Howard Griffiths zeigen sie, wie frisch und gegenwärtig Saint-Saëns’ Konzertkunst klingen kann. Getragen wird das Pro-jekt von der Schweizer Orpheum Stiftung und der ebenfalls in der Schweiz ansässigen Stif-tung Eppur si muove, welche junge Musikerinnen und Musiker mit herausragenden Partnern zusammenbringen und ihnen den Weg in internationale Karrieren ebnen.
„Camille Saint-Saëns – Complete Concertos Vol. 4“ beleuchtet das Konzertschaffen des fran-zösischen Komponisten in seiner Breite und Vielfalt aus der Perspektive einer neuen Genera-tion. Nach dem mit dem OPUS-Klassik ausgezeichneten Auftakt mit der Geigerin Leia Zhu (Vol. 1) und den Folgealben Vol. 2 mit Jae Hong Park (Piano), Lionel Martin (Cello) und Ben Goldscheider (Horn) sowie Vol. 3 mit Yilan Zhao (Piano), Hayoung Choi (Cello) und dem Kla-vierduo Ilyun Bürkev und Arya Su Gülenç rückt nun jene Seite von Saint-Saëns in den Fokus, die ihm den Ruf des „besten Organisten der Welt“ (Franz Liszt) einbrachte – im Dialog mit seinem virtuosen Schaffen für Klavier und Orchester.
Herzstück der vorliegenden Aufnahme ist Saint-Saëns’ monumentale Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78, die berühmte „Orgelsymphonie“. Die Orgel erscheint hier nicht als angefügtes Soloinstrument, sondern ist tief in das symphonische Gefüge eingebettet: Mal legt sie ein schimmerndes Fundament unter den Orchesterklang, mal setzt sie machtvolle Akzente im Tutti. Lukas Hasler nutzt die Ausdrucksvielfalt des Instruments – von warmen, getragenen Registern bis zu kraftvollen Ausbrüchen. Auf diese Weise macht er den großen Spannungs-bogen dieser Symphonie bis zum strahlenden Schluss in C-Dur plastisch erfahrbar.
Einen unmittelbaren Gegenpol zur großen Geste der Symphonie bildet Cyprès et Lauriers op. 156 für Orgel und Orchester, das 1919 als klingende Reaktion auf das Ende des Ersten Weltkriegs entstand. Der erste Teil, „Cyprès“, bündelt dunkle, nach innen gekehrten Linien und seufzende Motive – eine musikalische Trauerrede. Im zweiten Teil, „Lauriers“, wandelt sich die Klangsprache zu einer festlichen Huldigung: Fanfaren, rhythmische Energie und ein triumphie-render Schluss lassen aus der Erinnerung an die Gefallenen eine Musik des Dankes und der Erleichterung werden. Hasler und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien zeichnen diese dramaturgische Entwicklung mit großer Spannung und klanglicher Finesse nach.
Die zweite solistische Stimme dieses Albums gehört dem Pianisten Ariel Lanyi. Er widmet sich zwei hochvirtuosen Konzertstücken für Klavier und Orchester aus dem Jahr 1884, die Saint-Saëns selbst als Alternativen zu den großen Klavierkonzerten verstand:
• Im einsätzigen Allegro appassionato cis-Moll op. 70 verdichtet Saint-Saëns die Form eines Klavierkonzerts auf wenige Minuten. Aus einem unscheinbaren Dreitonmotiv entspinnt sich ein vorwärtsdrängender Sechsachtel-Satz, in dem lyrische Gesten und brillantes Figurenwerk einander unablässig durchdringen. Lanyi nutzt die Kürze der Form, um Charaktere und Farben mit größter Prägnanz aufleuchten zu lassen.
• Die Rhapsodie d’Auvergne C-Dur op. 73 ist eine Hommage an die Volksmusik der Au-vergne. Serenadenhaft gereihte Abschnitte, kantable Themen und tänzerische Episoden ver-schmelzen zu einer frei fließenden Erzählung, in der Saint-Saëns melodische Eingebung mit sicherem Formgefühl verbindet. Lanyi spannt hier den Bogen von inniger Kantabilität bis zu virtuosem Schlussjubel – stets elegant eingebettet in die farbenreiche Orchestrierung.
Wie in den vorangegangenen Alben der Reihe ist das ORF Radio-Symphonieorchester Wien zentraler Partner. Gemeinsam mit Dirigent Howard Griffiths, der seit vielen Jahren eng mit der Orpheum Stiftung verbunden ist, entsteht eine Atmosphäre, in der junge Solistinnen und Solis-ten mit einem traditionsreichen Orchester auf Augenhöhe musizieren können. Die Verbindung aus Wiener Klangtradition, stilistischer Klarheit und Offenheit für neue Stimmen prägt auch dieses vierte Album – eine klingende Momentaufnahme zweier junger Interpreten, die die Konzertkunst von Saint-Saëns mit Frische, Ernsthaftigkeit und Fantasie weitertragen. Vol. 4 fügt der großen Konzertlandschaft von Camille Saint-Saëns ein weiteres, leuchtendes Kapitel hinzu.


