Es begann als bescheidene Idee – ein Album mit Barockkonzerten, mehr nicht. Heute, drei Jahre später, ist daraus eines der ambitioniertesten Aufnahmeprojekte geworden, das eine Fagottistin sich vornehmen kann: die Gesamteinspielung aller Fagott-Konzerte von Antonio Vivaldi. Mit dem nun vorliegenden dritten Album hat Sophie Dervaux, Solofagottistin der Wiener Philharmoniker, gemeinsam mit dem La Folia Barockorchester die Hälfte dieses Weges zurückgelegt. Es ist eine Zwischenbilanz voller Energie – und voller Entdeckungen.
Kein anderer Komponist hat dem Fagott so viel anvertraut wie Vivaldi. 37 vollendete Solokonzerte hinterließ der Venezianer, darunter vermutlich das erste Fagottkonzert überhaupt. Geschrieben für die außergewöhnlich versierten Musikerinnen des Ospedale della Pietà, sind diese Werke bis heute eine Herausforderung – technisch wie musikalisch. Genau das reizt Sophie Dervaux. „Je mehr ich mich mit dieser Musik beschäftige, desto mehr entdecke ich“, sagt sie. „Ich erkenne immer wieder Material, das Vivaldi hier und dort wiederverwendet hat, und gleichzeitig fallen mir Besonderheiten oder ungewöhnliche Ideen umso stärker auf.“
Diese Vielfalt ist es, die das Projekt für die Interpretin lebendig hält. „Diese Vielfalt tut mir richtig gut, es ist wie frische Luft zu atmen“, sagt sie. „Vivaldi hat diese Konzerte relativ schnell geschrieben, er hat nicht monatelang über ein paar Tönen gebrütet. Das merkt man. Es tut gut, diese spontane, fließende Musik zu spielen.“ 285 Jahre nach Vivaldis Tod erschließt sich Sophie Dervaux ein Repertoire, das zugleich alt und neu, bekannt und unbekannt ist – und das ihr Instrument in seiner ganzen Bandbreite zeigt.


