Die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken kennt die 24 Gesänge von Homers Odyssee seit ihrer Kindheit auswendig. „Die Odyssee hat mich von klein auf fasziniert. Schon als Kind wurde sie mir als Gute-Nacht-Geschichte von meinen Großeltern vorgelesen“, erzählt sie im Booklet-Gespräch mit Jesper Klein. Die antike Irrfahrt ist eine Geschichte vom Reisen, Irren, Verirren, vom Träumen und Anlanden und für Danae Dörken zeitgemäßer denn je: „Für mich ist es eine sehr aktuelle Geschichte. Ich glaube, dass wir eine moderne Odyssee durchmachen.“ Die vielen heutigen Herausforderungen wie der Klimawandel oder auch die weltweite Migration aufgrund von existentieller Not und vielerorts Gewalt bringen die moderne Gesellschaft immer wieder an grundlegende Scheidewege. Und der beschrittene Weg kann sich in kurzer Zeit als Sackgasse herausstellen, der zum Kurswechsel führt – die Corona-Maßnahmen haben uns das in den letzten zwei Jahren immer wieder vor Augen geführt.

Statt daran zu zerbrechen, findet Danae Dörken es „spannend, in einer solchen Zeit zu leben. … auf so einer Reise gibt es hoffnungsvolle und verzweifelte Momente.“ Und so begibt sie sich auf ihrem Debüt Album „Odyssee“ bei Berlin Classics auf eine ganz bewusste musikalische Reise. Das Album erscheint am 22. April 2022.

Diese Reise beginnt mit Fazıl Says Stück über die Einsamkeit Black Earth. Es tönen dann die Sirènes aus Claude Debussys Trois Nocturnes, die das Klavier betörend singen lassen, gefolgt von Charles Gounods Souvenance, einer Erinnerungsmusik, die das Leben trotz aller Herausforderungen als erinnerungswert lobpreist. Mit Franz Liszts Das Wandern wird der bloße Aspekt des Fortkommens in den Vordergrund gestellt. „Auch Felix Mendelssohns ausladende Fantasie op. 28, reich an bewegten Spielfiguren in den Rahmensätzen und das klassischste Stück des Albums, ist zunächst eine Reisemusik im wahrsten Sinne“, so Jesper Klein im Booklet-Text. Bei der Recherche für „Odyssee“ stieß Danae Dörken aber auch auf Waiting for Friday des syrischen Komponisten Kinan Azmeh – ein Stück, das sehr unscheinbar und beiläufig beginnt, um sich dann in eine immense Dramatik zu steigern und so – laut Dörken – von einem unheilvollen Ende künden. Nicht alle Reisen enden glücklich. Bei Manos Hatzidakisʼ Waltz of lost dreams, den sie als Kind auf ganz verschiedenen Instrumenten hörte, denkt Danae Dörken sofort an griechische Tanzmusik: „Die griechischen Lieder handeln mehr von den schwierigen als von den schönen Momenten. Es ist ein Merkmal der griechischen Musik, das Leben auch in den schwierigen Momenten zu feiern“, erzählt sie. In Waltz of lost dreams spürt man etwas von dieser griechischen Mentalität. Das Album schließt im vorletzten Stück mit Charles Gounods Marche funèbre dʼune marionnette, also einem Trauermarsch und entlässt den mitreisenden Hörer dann wieder versöhnlich durch Vangelisʼ Moonlight Reflections, einer traumgleich schwebenden Musik.

„Das richtige Ende der Reise ist für mich der Trauermarsch,“ so Dörken jedoch im Booklet. Die Künstlerin mit Wurzeln auf der griechischen Insel Lesbos positioniert sich neben ihrem musikalischen Engagement auch immer wieder politisch. Mit dem Album „Odyssee“ möchte die Pianistin auch auf die schier endlosen Odysseen der zur Flucht getriebenen Mitmenschen aufmerksam machen, von denen viele Tausende zum Halt auf der Insel Lesbos gezwungen sind. „Als Griechin aus Lesbos bin ich natürlich viel mit der Flüchtlingskrise konfrontiert. Wir möchten vermitteln, dass Menschlichkeit an erster Stelle steht. Es reicht aber nicht, dass sich die Leute dort ein Herz fassen. Das Problem können die Bewohner der Insel nicht allein lösen.“ Das Album „Odyssee“ ist auch als Appell an uns alle zu verstehen, nicht nur die eigene Lebensreise im Blick zu haben, sondern mitmenschlich die Odyssee der Gesellschaft, der Menschheit an sich beim eigenen Handeln zumindest mitzudenken.

Am Strand von Eftalou ist der Dichter Argyris Eftaliotis (1849 – 1923) begraben. Er übersetzte einst Homers Odyssee ins Neugriechische. Er schrieb: „Du musst Dunkelheit spüren, um das Licht zu lieben.“

Odyssee Danae Dörken

Künstler

Komponisten

Charles Gounod

Claude Debussy

Fazıl Say

Felix Mendelssohn Bartholdy

Franz Liszt

Jetzt kaufen auf

iTunes Amazon jpc

Weitere Informationen

Genre

Klassik

Erscheinungsdatum:

22.04.2022



Die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken kennt die 24 Gesänge von Homers Odyssee seit ihrer Kindheit auswendig. „Die Odyssee hat mich von klein auf fasziniert. Schon als Kind wurde sie mir als Gute-Nacht-Geschichte von meinen Großeltern vorgelesen“, erzählt sie im Booklet-Gespräch mit Jesper Klein. Die antike Irrfahrt ist eine Geschichte vom Reisen, Irren, Verirren, vom Träumen und Anlanden und für Danae Dörken zeitgemäßer denn je: „Für mich ist es eine sehr aktuelle Geschichte. Ich glaube, dass wir eine moderne Odyssee durchmachen.“ Die vielen heutigen Herausforderungen wie der Klimawandel oder auch die weltweite Migration aufgrund von existentieller Not und vielerorts Gewalt bringen die moderne Gesellschaft immer wieder an grundlegende Scheidewege. Und der beschrittene Weg kann sich in kurzer Zeit als Sackgasse herausstellen, der zum Kurswechsel führt – die Corona-Maßnahmen haben uns das in den letzten zwei Jahren immer wieder vor Augen geführt.

Statt daran zu zerbrechen, findet Danae Dörken es „spannend, in einer solchen Zeit zu leben. … auf so einer Reise gibt es hoffnungsvolle und verzweifelte Momente.“ Und so begibt sie sich auf ihrem Debüt Album „Odyssee“ bei Berlin Classics auf eine ganz bewusste musikalische Reise. Das Album erscheint am 22. April 2022.

Diese Reise beginnt mit Fazıl Says Stück über die Einsamkeit Black Earth. Es tönen dann die Sirènes aus Claude Debussys Trois Nocturnes, die das Klavier betörend singen lassen, gefolgt von Charles Gounods Souvenance, einer Erinnerungsmusik, die das Leben trotz aller Herausforderungen als erinnerungswert lobpreist. Mit Franz Liszts Das Wandern wird der bloße Aspekt des Fortkommens in den Vordergrund gestellt. „Auch Felix Mendelssohns ausladende Fantasie op. 28, reich an bewegten Spielfiguren in den Rahmensätzen und das klassischste Stück des Albums, ist zunächst eine Reisemusik im wahrsten Sinne“, so Jesper Klein im Booklet-Text. Bei der Recherche für „Odyssee“ stieß Danae Dörken aber auch auf Waiting for Friday des syrischen Komponisten Kinan Azmeh – ein Stück, das sehr unscheinbar und beiläufig beginnt, um sich dann in eine immense Dramatik zu steigern und so – laut Dörken – von einem unheilvollen Ende künden. Nicht alle Reisen enden glücklich. Bei Manos Hatzidakisʼ Waltz of lost dreams, den sie als Kind auf ganz verschiedenen Instrumenten hörte, denkt Danae Dörken sofort an griechische Tanzmusik: „Die griechischen Lieder handeln mehr von den schwierigen als von den schönen Momenten. Es ist ein Merkmal der griechischen Musik, das Leben auch in den schwierigen Momenten zu feiern“, erzählt sie. In Waltz of lost dreams spürt man etwas von dieser griechischen Mentalität. Das Album schließt im vorletzten Stück mit Charles Gounods Marche funèbre dʼune marionnette, also einem Trauermarsch und entlässt den mitreisenden Hörer dann wieder versöhnlich durch Vangelisʼ Moonlight Reflections, einer traumgleich schwebenden Musik.

„Das richtige Ende der Reise ist für mich der Trauermarsch,“ so Dörken jedoch im Booklet. Die Künstlerin mit Wurzeln auf der griechischen Insel Lesbos positioniert sich neben ihrem musikalischen Engagement auch immer wieder politisch. Mit dem Album „Odyssee“ möchte die Pianistin auch auf die schier endlosen Odysseen der zur Flucht getriebenen Mitmenschen aufmerksam machen, von denen viele Tausende zum Halt auf der Insel Lesbos gezwungen sind. „Als Griechin aus Lesbos bin ich natürlich viel mit der Flüchtlingskrise konfrontiert. Wir möchten vermitteln, dass Menschlichkeit an erster Stelle steht. Es reicht aber nicht, dass sich die Leute dort ein Herz fassen. Das Problem können die Bewohner der Insel nicht allein lösen.“ Das Album „Odyssee“ ist auch als Appell an uns alle zu verstehen, nicht nur die eigene Lebensreise im Blick zu haben, sondern mitmenschlich die Odyssee der Gesellschaft, der Menschheit an sich beim eigenen Handeln zumindest mitzudenken.

Am Strand von Eftalou ist der Dichter Argyris Eftaliotis (1849 – 1923) begraben. Er übersetzte einst Homers Odyssee ins Neugriechische. Er schrieb: „Du musst Dunkelheit spüren, um das Licht zu lieben.“

Trackliste - Diese Titel hören Sie auf dem Album

Odyssee
Danae Dörken
1 Black Earth
2 Trois Nocturnes, L. 91: Sirènes (Arr. For Piano by Gustave Samazeuilh)
3 Nocturne in E-Flat Major, CG 590: Souvenance
4 Das Wandern, S. 565 No. 1 (after Schubert D795)
5 Fantasie in F-Sharp Minor, Op. 28
6 Prélude à l'après-midi d'un faune, L. 86 (Arr. for Piano by Ladislas Kun)
7 Waiting For Friday
8 Années de pèlerinages I, S. 160: 2. Au lac de Wallenstadt (Prèmiere Année: Suisse)
9 Waltz of lost Dreams
10 Marche funèbre d'une marionnette, CG 583
11 Moonlight Reflections

Weitere Videos von Berlin Classics

zurück
weiter
Matthias Höfs & Anaëlle Tourret: Ravel - Pièce en forme de Habanera (for Trumpet & Harp)
Matthias Höfs & Anaëlle Tourret: Ibert - Entr'acte (For Trumpet and Harp) #Ukraine #Spenden
Eckart Runge & Jacques Ammon - Miles Davis: Blue in Green (arr. for cello & piano) #BerlinClassics
Sebastian Manz & Herbert Schuch - Gade - Fantasy Pieces, Op. 43: No. 2, Allegro vivace
Matthias Höfs & Anaëlle Tourret: Debussy - The Girl with the Flaxen Hair #Ukraine #Spenden
Spark & Valer Sabadus - Seemann (Rammstein Cover) #BerlinClassics
Sophie Dervaux & Mozarteumorchester Salzburg - Vanhal: Concerto in C Major
Luisa Imorde - Couperin: Pièces de clavecin: Le Tic-Toc-Choc ou Les Maillotins
Sebastian Manz & Herbert Schuch - Schumann: Fantasy Piece, Op. 73, No. 1, Zart und mit Ausdruck
Danae Dörken - Odyssee (Official Albumtrailer) #BerlinClassics #DanaeDörken
Sophie Dervaux - Hummel: Grand Concerto in F Major: I. Allegro moderato (Teaser)
Luisa Imorde: François Couperin - Cinquieme Prelude (Offizielles Musikvideo) #BerlinClassics
Danae Dörken: Kinan Azmeh - Waiting for Friday (Offizielles Musikvideo) #BerlinClassics
Eckart Runge, Jacques Ammon - Bach: Allegro (From Gamba Sonata G Minor, BWV 1029) #BerlinClassics

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit markiert.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}