Nach den drei Konzeptalben Landscapes, Intermezzo & Chiaroscuro, die unter anderem mit einem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik und einem Opus Klassik ausgezeichnet wurden, widmet sich das weltberühmte Schumann Quartett Franz Schubert – und 2 ½ seiner Streichquartette.

Die Chronologie des Albums beginnt mit Franz Schuberts D-Dur-Streichquartett (Nr. 6, D. 74), das als frühes Streichquartett für Schuberts Einstieg in diese Gattung steht. Mit 16 Jahren zählte mittlerweile Antonio Salieri zu seinen Lehrern, dessen Name auf der Titelseite zu lesen ist. Orientierung findend an den Vorbildern Haydn, Mozart und Beethoven, suchte Schubert zugleich nach eigenen Wegen, wagte vorsichtige Formexperimente und trainierte sich mit kleinen Kompositionsaufgaben. Dass er dies ausgerechnet in den Streichquartetten tat, ist sicher kein Zufall – die Gattung war aus der bürgerlichen Musikpraxis der Zeit nicht wegzudenken.

Es folgt – quasi als Werk der mittleren Jahre – der Quartettsatz c-Moll, D. 703. Der meist solitär aufgeführte Kopfsatz ist der einzig fertiggestellte Satz des Quartetts. Der zweite Satz, ein ruhiges Andante, bricht nach vierzig Takten inmitten des musikalischen Flusses ab und entlässt den Hörer in den luftleeren Raum. Warum Schubert das Quartett, mit dessen Komposition er 1820 begonnen hatte, nicht weiterführte, wissen wir nicht – offensichtlich ist ihm etwas dazwischengekommen. Nicht ohne Grund wird diese von Umbrüchen und Neuorientierungen geprägte Zeit in Schuberts Leben in der Literatur gerne als „Jahre der Krise“ bezeichnet.

Für den Hörer ist das eine kleine Herausforderung. Wer würde schon einen Film schauen, im Wissen, dass er kein Ende hat? Und als Goethe das Streichquartett als „Unterhaltung zwischen vier vernünftigen Leuten“ beschrieb, hatte er da im Sinn, dass dieses Gespräch ganz plötzlich zum Ende kommt? Was ist mit der Dramaturgie, mit all den Bezügen und Kontrasten zwischen den Sätzen, die sonst in einem solchen Werk stecken? Wie man es spielt, dieses Schubert-Streichquartett bleibt für den Hörer unbefriedigend. Das Kunsterleben funktioniert nicht so, wie wir es kennen – wir müssen uns mit dieser Ästhetik des Unfertigen abfinden. Die hat aber ja auch ihren Reiz. Im Raum steht die Frage, wie es wohl weitergehen würde – doch das bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen. Warum nicht einem ruhigen Moment nutzen und einfach mal darüber nachdenken?

Erst 1824 schreibt Schubert wieder für Streichquartett. Eines der Werke: das „Rosamunde“-Quartett, in a-Moll, D. 804. In der Presse wurde das Werk trotz der 11 bzw. 12 Vorgängerquartette als „Erstgeborenes“ bezeichnet; es blieb das einzige der insgesamt fünfzehn Quartette, das zu Schuberts Lebzeiten aufgeführt wurde.

Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Immer wieder bemerken Außenstehende, wie stark die Bindung zwischen ihnen ist. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation, „ein Blick, und ich weiß, wie er/sie die Musik in dem Moment spielen möchte“. Unterschiedliche Persönlichkeiten treten deutlicher hervor, gleichzeitig entsteht in jedem musikalischen Werk ein gemeinsamer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt. Vielleicht sind diese Offenheit und Neugierde die entscheidenden Einflüsse von Lehrern wie Eberhard Feltz, dem Alban Berg Quartett oder Partnern wie Menahem Pressler.

Fragment Schumann Quartett

Komponisten

Franz Schubert

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Weitere Informationen

Genre

Musik für Kammerensemble

Erscheinungsdatum:

14.08.2020



Nach den drei Konzeptalben Landscapes, Intermezzo & Chiaroscuro, die unter anderem mit einem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik und einem Opus Klassik ausgezeichnet wurden, widmet sich das weltberühmte Schumann Quartett Franz Schubert – und 2 ½ seiner Streichquartette.

Die Chronologie des Albums beginnt mit Franz Schuberts D-Dur-Streichquartett (Nr. 6, D. 74), das als frühes Streichquartett für Schuberts Einstieg in diese Gattung steht. Mit 16 Jahren zählte mittlerweile Antonio Salieri zu seinen Lehrern, dessen Name auf der Titelseite zu lesen ist. Orientierung findend an den Vorbildern Haydn, Mozart und Beethoven, suchte Schubert zugleich nach eigenen Wegen, wagte vorsichtige Formexperimente und trainierte sich mit kleinen Kompositionsaufgaben. Dass er dies ausgerechnet in den Streichquartetten tat, ist sicher kein Zufall – die Gattung war aus der bürgerlichen Musikpraxis der Zeit nicht wegzudenken.

Es folgt – quasi als Werk der mittleren Jahre – der Quartettsatz c-Moll, D. 703. Der meist solitär aufgeführte Kopfsatz ist der einzig fertiggestellte Satz des Quartetts. Der zweite Satz, ein ruhiges Andante, bricht nach vierzig Takten inmitten des musikalischen Flusses ab und entlässt den Hörer in den luftleeren Raum. Warum Schubert das Quartett, mit dessen Komposition er 1820 begonnen hatte, nicht weiterführte, wissen wir nicht – offensichtlich ist ihm etwas dazwischengekommen. Nicht ohne Grund wird diese von Umbrüchen und Neuorientierungen geprägte Zeit in Schuberts Leben in der Literatur gerne als „Jahre der Krise“ bezeichnet.

Für den Hörer ist das eine kleine Herausforderung. Wer würde schon einen Film schauen, im Wissen, dass er kein Ende hat? Und als Goethe das Streichquartett als „Unterhaltung zwischen vier vernünftigen Leuten“ beschrieb, hatte er da im Sinn, dass dieses Gespräch ganz plötzlich zum Ende kommt? Was ist mit der Dramaturgie, mit all den Bezügen und Kontrasten zwischen den Sätzen, die sonst in einem solchen Werk stecken? Wie man es spielt, dieses Schubert-Streichquartett bleibt für den Hörer unbefriedigend. Das Kunsterleben funktioniert nicht so, wie wir es kennen – wir müssen uns mit dieser Ästhetik des Unfertigen abfinden. Die hat aber ja auch ihren Reiz. Im Raum steht die Frage, wie es wohl weitergehen würde – doch das bleibt der eigenen Vorstellungskraft überlassen. Warum nicht einem ruhigen Moment nutzen und einfach mal darüber nachdenken?

Erst 1824 schreibt Schubert wieder für Streichquartett. Eines der Werke: das „Rosamunde“-Quartett, in a-Moll, D. 804. In der Presse wurde das Werk trotz der 11 bzw. 12 Vorgängerquartette als „Erstgeborenes“ bezeichnet; es blieb das einzige der insgesamt fünfzehn Quartette, das zu Schuberts Lebzeiten aufgeführt wurde.

Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Immer wieder bemerken Außenstehende, wie stark die Bindung zwischen ihnen ist. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation, „ein Blick, und ich weiß, wie er/sie die Musik in dem Moment spielen möchte“. Unterschiedliche Persönlichkeiten treten deutlicher hervor, gleichzeitig entsteht in jedem musikalischen Werk ein gemeinsamer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt. Vielleicht sind diese Offenheit und Neugierde die entscheidenden Einflüsse von Lehrern wie Eberhard Feltz, dem Alban Berg Quartett oder Partnern wie Menahem Pressler.

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