Kaleidoskopisch-trompeterische Konzerte von Bach

Johann Sebastian Bach hat leider kein Trompetenkonzert hinterlassen, von dem wir heutzutage wissen. Der Trompeter Matthias Höfs hat Abhilfe geschaffen und eine Reihe Bach’scher Solokonzerte für sein Instrument arrangiert. Mit seiner modernen Piccolotrompete ist es ihm – anders mit der ventilloser Barocktrompete – möglich, den brillanten Klang der Trompete in den anspruchsvollen Melodien der Konzerte zum Strahlen zu bringen.

Die meisten Instrumentalisten, besonders auch Trompeter müssen sich damit auseinandersetzen, dass die Historie des jeweiligen Instruments häufig auch eine Geschichte der wachsenden musikalischen und spieltechnischen Möglichkeiten ist. Das bedeutet, dass Trompeter heutzutage wesentlich mehr aus ihrem modernen Instrument herausholen können, als es bei der Barocktrompete der Fall war. Zwar hat Bach herausragende Soli für die Trompete geschrieben, doch scheint er entweder vor dem beschränkten Tonvorrat der damaligen Trompete zurückgeschreckt zu sein oder keinen entsprechenden Solisten vor Ort gehabt zu haben, um ein mehrsätziges Konzert für die Trompete zu schreiben.

Dass Konzerte und insbesondere Solokonzerte ad libitum auf unterschiedlichsten Instrumenten gespielt worden sind, stand im Barock auf der Tagesordnung. Alle auf Matthias Höfs neustem Album eingespielten Konzerte hat Bach höchstselbst schon für das Clavier gesetzt. Beim Bearbeiten ist Bach von Stück zu Stück unterschiedlich vorgegangen. Für die Kantilenen im langsamen Satz des Oboenkonzerts von Marcello beispielsweise hat er zu reichen Verzierungen gegriffen. „Das fand ich sehr reizvoll. Es sind sehr berühmte Verzierungen.“ Deutlich ist Bach dagegen bei den Vivaldi-Konzerten herauszuhören. So hat er etwa die typischen Repetitionen in virtuose Läufe in der Basslinie abgeändert. „Die Solopartien der Vivaldi-Konzerte kann man zwar fast im Original spielen, aber mir waren manche Repetitionspassagen zu gleichförmig“, sagt Matthias Höfs. „Schon Bach hat einige figuriert. Ich habe den Solopart etwas freier gestaltet.“ Das Konzert für zwei Cembali BWV 1060 beruht vermutlich auf einem Doppelkonzert für Violine und Oboe. Bei der Bearbeitung hat Bach die Solopartie überwiegend unverändert in die rechte Hand des Cembalisten gelegt, die linke geht meist mit dem Basso continuo mit. Er übernimmt die Basslinie aber nicht stur, sondern erweitert sie und komponiert weitere Stimmen hinzu und passt so die Partie der Klangsprache des Soloinstruments an.

Matthias Höfs ist seinerseits nicht überall dem Bach zugeschriebenen Notentext gefolgt. „Es gibt auch eine Handschrift von einem Zeitgenossen mit ganz anderen Oktavierungen. Von denen habe ich einige übernommen“, berichtet er. „Es war ja damals schon üblich, ein Stück für das eigene Instrument anzupassen.“ Zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen hat er so ein Album geschaffen, das eine lange Tradition fortsetzt. Darüber hinaus zeigt er wieder einmal, wozu ein bekannt geglaubtes Instrument in der Lage ist.

Bach: Trumpet Concertos Matthias Höfs & Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Komponisten

Johann Sebastian Bach

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Weitere Informationen

Genre

Klassik

Erscheinungsdatum:

25.10.2019



Kaleidoskopisch-trompeterische Konzerte von Bach

Johann Sebastian Bach hat leider kein Trompetenkonzert hinterlassen, von dem wir heutzutage wissen. Der Trompeter Matthias Höfs hat Abhilfe geschaffen und eine Reihe Bach’scher Solokonzerte für sein Instrument arrangiert. Mit seiner modernen Piccolotrompete ist es ihm – anders mit der ventilloser Barocktrompete – möglich, den brillanten Klang der Trompete in den anspruchsvollen Melodien der Konzerte zum Strahlen zu bringen.

Die meisten Instrumentalisten, besonders auch Trompeter müssen sich damit auseinandersetzen, dass die Historie des jeweiligen Instruments häufig auch eine Geschichte der wachsenden musikalischen und spieltechnischen Möglichkeiten ist. Das bedeutet, dass Trompeter heutzutage wesentlich mehr aus ihrem modernen Instrument herausholen können, als es bei der Barocktrompete der Fall war. Zwar hat Bach herausragende Soli für die Trompete geschrieben, doch scheint er entweder vor dem beschränkten Tonvorrat der damaligen Trompete zurückgeschreckt zu sein oder keinen entsprechenden Solisten vor Ort gehabt zu haben, um ein mehrsätziges Konzert für die Trompete zu schreiben.

Dass Konzerte und insbesondere Solokonzerte ad libitum auf unterschiedlichsten Instrumenten gespielt worden sind, stand im Barock auf der Tagesordnung. Alle auf Matthias Höfs neustem Album eingespielten Konzerte hat Bach höchstselbst schon für das Clavier gesetzt. Beim Bearbeiten ist Bach von Stück zu Stück unterschiedlich vorgegangen. Für die Kantilenen im langsamen Satz des Oboenkonzerts von Marcello beispielsweise hat er zu reichen Verzierungen gegriffen. „Das fand ich sehr reizvoll. Es sind sehr berühmte Verzierungen.“ Deutlich ist Bach dagegen bei den Vivaldi-Konzerten herauszuhören. So hat er etwa die typischen Repetitionen in virtuose Läufe in der Basslinie abgeändert. „Die Solopartien der Vivaldi-Konzerte kann man zwar fast im Original spielen, aber mir waren manche Repetitionspassagen zu gleichförmig“, sagt Matthias Höfs. „Schon Bach hat einige figuriert. Ich habe den Solopart etwas freier gestaltet.“ Das Konzert für zwei Cembali BWV 1060 beruht vermutlich auf einem Doppelkonzert für Violine und Oboe. Bei der Bearbeitung hat Bach die Solopartie überwiegend unverändert in die rechte Hand des Cembalisten gelegt, die linke geht meist mit dem Basso continuo mit. Er übernimmt die Basslinie aber nicht stur, sondern erweitert sie und komponiert weitere Stimmen hinzu und passt so die Partie der Klangsprache des Soloinstruments an.

Matthias Höfs ist seinerseits nicht überall dem Bach zugeschriebenen Notentext gefolgt. „Es gibt auch eine Handschrift von einem Zeitgenossen mit ganz anderen Oktavierungen. Von denen habe ich einige übernommen“, berichtet er. „Es war ja damals schon üblich, ein Stück für das eigene Instrument anzupassen.“ Zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen hat er so ein Album geschaffen, das eine lange Tradition fortsetzt. Darüber hinaus zeigt er wieder einmal, wozu ein bekannt geglaubtes Instrument in der Lage ist.

Trackliste - Diese Titel hören Sie auf dem Album

Bach: Trumpet Concertos
Matthias Höfs & Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
1 Italian Concert in F Major, BWV 971: I. Allegro (Arr. for Trumpet)
2 Concerto in G Minor, BWV 1056/156: I. Moderato (Arr. for Trumpet)
3 Concerto in G Minor, BWV 1056/156: II. Adagio (Arr. for Trumpet)
4 Concerto in G Minor, BWV 1056/156: III. Presto (Allegro) [Arr. for Trumpet]
5 Concerto in D Major, BWV 972 (After RV 230): I. Allegro [Arr. for Trumpet]
6 Concerto in D Major, BWV 972 (After RV 230): II. Larghetto [Arr. for Trumpet]
7 Concerto in D Major, BWV 972 (After RV 230): III. Allegro [Arr. for Trumpet]
8 Double Concerto in D Minor, BWV 1060: I. Allegro (Arr. for Trumpet)
9 Double Concerto in D Minor, BWV 1060: II. Adagio (Arr. for Trumpet)
10 Double Concerto in D Minor, BWV 1060: III. Allegro (Arr. for Trumpet)
11 Concerto in G Major, BWV 978 (After RV 310): I. Allegro [Arr. for Trumpet]
12 Concerto in G Major, BWV 978 (After RV 310): II. Largo [Arr. for Trumpet]
13 Concerto in G Major, BWV 978 (After RV 310): III. Allegro [Arr. for Trumpet]
14 Concerto in D Minor, BWV 974 (After Marcello): I. Andante e spiccato [Arr. for Trumpet]
15 Concerto in D Minor, BWV 974 (After Marcello): II. Adagio [Arr. for Trumpet]
16 Concerto in D Minor, BWV 974 (After Marcello): III. Presto [Arr. for Trumpet]

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